Und immer wieder braucht es Zeichen und klare Bekenntnisse zur Gewaltfreiheit innerhalb der Bewegung. Dies ist eine friedliche Revolution.
Ich glaube an die Kraft und die Möglichkeit einer friedlichen Revolution. In der Geschichte gibt es auch genug Beispiele aus denen wir Hoffnung schöpfen und an denen wir uns orientieren können: 1947 gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft und Unabhängkeit Indiens, 1974 Nelkenrevolution in Portugal, 1990 friedliche Revolution in der DDR und auch die jüngsten revolutionären Bewegungen in Ägypten und Tunesien haben eben nicht zu einem (NATO)-Bürgerkrieg – wie z.B. tragischerweise in Lybien – geführt.
Ich kann nachvollziehen, dass immer wieder Schreckenszenarien von drohenden Bürgerkriegen in Europa und dem Zerfall der EU bis hin zu einem Dritten Weltkrieg und damit verbundene Diktaturen in den westlichen Industrienationen auftauchen – das ist auch alles durchaus im Bereich des Möglichen und es gibt auch genug Tendenzen. Und da steigt jede Menge Angst in einem hoch, dass man sich selbst manchmal eine Kalaschnikow wünscht, um sich zu verteidigen bzw. um das Chaos überleben zu können, aber ich bin mir sicher, das wir in Europa, insbesondere durch die schrecklichen Bürgerkriege nach dem Zerfall Jugoslawiens ab 1991 keine Mehrheit mehr in der Bevölkerung und auch nicht in den Machtetagen oder bei Militär und Polizei für Gewalt mit Waffen gehen Bürger und Demonstranten haben.
Zusammenstöße mit der Polizei (Brockdorf, Revolutionäre 1.-Mai-Demonstrationen in Berlin, Stuttgart21, etc.) kann es immer wieder geben… aber auch hier denke ich, es ist Zeit, dass wir als Bewegung intelligenter passiven Widerstand und Zivilen Ungehorsam entwickeln und durchziehen – ohne immer wieder erneut in die Gewaltspirale einzusteigen, die von der Polizei gewollt und provoziert wird. Gewaltfreiheit wie z.B. in den intelligenten Protest-Aktionen zum G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 sollte uns allen als Beispiel dienen und auch die Castor-Proteste – wo es, genauso wie nach Tschernobyl und Fukushima, zum Schulterschluss mit breiten Schichten in der Bevölkerung kommt. Das muss das Ziel sein.
Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland zeigt auch sehr gut, dass ein langsamer und friedlicher Wandel zu einer besseren Welt möglich ist. Es gab weder eine Anti-AKW-RAF oder einen “ökologischen Bürgerkrieg“ – es hat Zeit gebraucht und es wurden Alternativen entwickelt und aufgebaut. Es war nicht nur der Protest sondern entscheidend der Glaube und die Umsetzung von sauberer nachhaltiger Energiegewinnung und Gemeinschaftlichen Systemen.
Und das ist auch die zweite Kernfrage: Muss es ein radikaler, spontaner und kompletter Systemumsturz sein? Oder kann es auch eine schrittweise Veränderung des Systems sein?
Das ökologisch und ressourcen-ökonomisch die Zeit tickt ist bekannt und gibt uns max. noch 5-50 Jahre, in denen der Kapitalismus seinen Raubbau an Mensch und Natur fortführen kann – dann werden allein durch das Ende des Öl-Zeitalters die Welt und die Systeme sich dramatisch verändern – ganz ohne Revolutionsbewegungen.
Und zu der Frage, ob wir hier schon von einer Revolution oder einer revolutionären Bewegung sprechen können, denke ich eindeutig. Ja. Es sind die Anfänge, es ist der neue Nährboden, es sind die ersten Organisationsversuche, zusammen überhaupt diese revolutionäre Frage zu stellen: Wie können wir den Kapitalismus abschaffen? Die Frage allein ist revolutionär. Weil auch keiner mit Bestimmtheit sagen kann, wie die Welt ohne Kapitalismus aussehen wird. Aber den Kapitalismus insgesamt oder auch nur seine Teilbereiche, wie das Geldsystem oder Subventionen, umfassend in Frage zu stellen, das ist schon revolutionär. Anders als zur Zeiten der Französischen Revolution – aber das ist auch gut so.
In Berlin sind schon 5.000 (Umzingelung des Regierungsviertels) und in Frankfurt schon 50.000 Menschen (Blockupy) 2011 und 2012 im Rahmen der weltweiten Proteste auf die Straße gegangen. Friedlich.
Also: ich hoffe, dass jeder sich von diesen positiven gewaltfreien Beispielen inspirieren lässt. Es braucht viel Mut, friedlich zu agieren und es ist eine viel höhere Aufgabe an jeden einzelnen – eben nicht Gewalt anzuwenden.
In diesem Sinne, wünsche ich uns allen, dass wir in dem “romantischen Occupy Lagerfeuer” eine uralte naturverbundene Kraft erkennen können, die dem Menschen schon seit Jahrtausenden Wärme, Gemeinschaft und Inspiration geschenkt hat.
Mögen uns alle Kräfte und Menschen unterstützen, den Zusammenbruch bzw. den Wandel oder sogar eine Revolution in Europa friedlich zu gestalten. Denn auch der Polizist oder der Soldat sind Menschen, der von System missbraucht werden. Beide sind nicht unsere Feinde.
Ich wünsche uns auch, dass wir immer mehr erkennen, dass es nicht einen Weg, eine Lösung oder ein neues Konzept geben wird. Der Mensch ist ein Individuum und was für den einen “richtig” ist, passt eben nicht für den Nächsten. Es ist die Vielfalt, die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, die unsere Kulturen hervorgebracht hat und auch unzählige Formen des Zusammenlebens.
Der Kapitalismus war ein Versuch die Menschheit gleichzuschalten – schon aus diesem Grund scheitert dieses System.
In diesem Sinne: gleiche Rechte für jeden Menschen auf diesem Planeten. Die Unterdrückung, Gewalt und Zerstörung muss ein Ende haben.






