Angela Davis,  Bürger- und Menschenrechtsaktivistin, wurde 1944 in Birmingham/Alabama geboren. Durch die Erfahrungen der Großeltern, die selbst noch Sklaven waren, der Eltern und aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen durch Rassendiskriminierung, erwuchs schon in jungen Jahren ein Un-Gerechtigkeitsbewußtsein, dass sie seit Studententagen aktiv werden ließ. Im Alter von 15 Jahren kam sie das erste Mal mit Marxismus in Berührung und erkannte den Kapitalismus als Ursache für Ausbeutung und Rassendiskriminierung. Sie studierte u.a. bei Adorno, Horkheimer, Habermas Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Als ehemaliges Mitglied der Black Panther Party und Mitbegründerin der National Aliance against Racist and Political Repression und der Grasroots-Bewegung „Critical Resistance“ , kämpft die Feministin die sich selbst Kommunistin nennt, unermüdlich für Gerechtigkeit, ein humanes Rechtssystem, Frieden und gegen Polizeigewalt und die Todesstrafe.

(Quelle: http://freundeskreis-videoclips.de/asamblea-mit-angela-davis/)

Angela Davis besuchte am 18.11.11. das Camp der occupy-Bewegung in Berlin am Bundespressestrand. Sie war von der Ethecon Stiftung eingeladen den diesjährig, an sie verliehenen Blue Planet Award 2011 entgegenzunehmen. Es war ihr, wie sie betont, ein besonderes Anliegen uns bei dieser Gelegenheit im occupy-Camp zu besuchen.

Hier noch ein Nachtrag von dem Gespräch mit Angela Davis am 18.11.11 im camp, für die, die nicht daran teilnehmen konnten.

Angela it´s happening

Angela Davis überbringt uns solidarische Grüße der occupy Bewegung aus New York, Philadelphia und besonders aus Oakland, ihrer Heimatstadt. Sie sieht die weltweite occupy Bewegung als eine sehr aufregende Bewegung und dankt uns für unsere Hingabe, unser Durchhaltevermögen und die Vernetzungsarbeit. Darüber hinaus äußert sie sich beeindruckt über die Berichte der Arbeitsgruppen, die dem Gespräch vorausgegangen sind.

In Erinnerung an ihre Studienzeit in Deutschland (1965 in Frankfurt a.M.) sagt sie, sie sei heute hier, als freier Mensch, auch aufgrund einer Solidaritätsbewegung der 70er Jahre, die gegen ihre damalige Haft in der Todeszelle protestierte. (Sie wurde 1970 in Verbindung mit einem politisch motivierten Verbrechen gesucht, dass unwissentlich mit ihren Waffen begangen wurde, zu dessen Zeitraum sie sich aber nachweislich ganz woanders aufhielt. A.d.V.) Besonders hebt sie dabei die in der DDR gestartete  Kampagne Millionen Rosen für Angela Davis hervor, in der Kindergarten- und Schulkinder eine Rose auf eine Postkarte malten um sie ihr in die Todeszelle zu schicken. „Anfangs waren es 10 bis 20 Karten täglich“ sagt sie „dann 100, dann 1000 bis die Wärter mit großen Säcken voller Postakarten in meine Zelle kamen. So haben die Kinder der DDR zu meiner Befreiung beigetragen.“ Doch auch auf akademischer Ebene und aus dem Westen Deutschlands kamen Solidaritätsbekundungen, besonders von Herbert Marcuse, dessen Schülerin sie einst war und der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, etc). Schließlich wurde daraus eine internationale Solidaritätsbewegung, die sie unterstützte.  In diesem Zusammenhang verweist sie auf  die Unwichtigkeit ihrer Person, im Gegensatz zur großen Bedeutung solcher Solidaritätsbewegungen, wie sie auch damals gegen Nixon und Reagen aktiv waren. Dabei spiele die Vernetzung solcher Bewegungen, wie heute der occupy-Bewegung eine entscheidende Rolle. Der Einsatz für die occupy Bewegung in den USA sei groß. Es sind Menschen die durch Armut, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus festgesetzt sind, sowie Leute die sich für die Umwelt engagieren oder Strafgefangene, die durch die Privatisierung der Gefängnisse in Zwangsarbeit ausgebeutet werden. Die Macht der 1% fordere eine Mobilisierung der 99% geradezu heraus. Und der Slogan we are the 99% sei eine geniale Idee, da sich niemand mit dem 1% der Ausbeuter identifizieren wolle und damit potenziell jeder für diese komplexe Bewegung erreichbar sei.  Einer Bewegung, der es um Gleichberechtigung und Gemeinschaft ohne Gleichmacherei gehe. Die Bewegung stehe vielmehr dafür, zu kommunizieren, Unterschiede zuzulassen, unterschiedliche Themen und Gemeinschaften zusammenzuführen und in Dialog miteinander zu bringen. Dabei bittet sie die Bewegung jedoch, den Begriff „occupy“ zu überdenken, da dieser hauptsächlich im Militär verwendet wird und daher mit militärischer Gewalt assoziiert wird. Puerto Rico hatte die großartige Idee die Bewegung de-occupy zu nennen, noch besser Mexico: the unoccupied , und Oakland fand die Bezeichnung decolonised Oakland für sich. Im Widerstand der Bewegung auch gegen die Kriege in Afghanistan und Palästina etc. sei es notwendig oder angebracht, sich von militärischen Begrifflichkeiten zu distanzieren!

Schließlich sollte die heutige Bewegung für eine Neuschaffung der Welt mit Freude – und nicht mit Gewalt stehen.

Die erste Frage aus der Asamblea bezog sich darauf, ob Angela Davis die occupy-Bewegung als eine Bewegung versteht, die sich nur die Entmachtung der Finanzmärkte  zum Ziel gesetzt hat, oder ob sie für eine echte Demokratie steht.

Sie beantwortet die Frage mit dem Hinweis, dass der erste Aktionstag der occupy-Wallstreet  zwar gegen die großen Banken gerichtet war, dass aber das herrschende Finanzwesen  weltweit die größte Bedrohung der Demokratie darstelle. Darüber hinaus sei es aber unabdingbar, Themen wie Rassismus, Homophobie, Transgenderphobie, Militarismus und Umweltzerstörung etc. zu kommunizieren, sich über die Zusammenhänge und Ursachen bewusst zu werden – ohne dabei eine Hierarchie aufzustellen, welches dieser genannte Themen das Wichtigste sei. Es gehe vielmehr um die Erkenntnis über die Entstehung und Überschneidungen dieser Probleme. Die occupy-Bewegung hätte die Chance und die Kraft, diese Überschriften zusammenzubringen um eine wirkliche Demokratie daraus hervorgehen zu lassen.

Die zweite Frage ging dahin zu erfahren, ob die Bewegung der USA ein Bewusstsein darüber hat, dass diese – nun weltweite – Bewegung, in Ägypten und Spanien ihren Anfang hatte.

Ihre Antwort: Ja, es gibt dieses Bewusstsein, dass diese Bewegung am Tahirplatz in Kairo begann, jedoch sei zeitgleich in Wisconsin eine Arbeiterbewegung entstanden. Das Besondere sei der global Charakter der jetzigen Bewegung, der auch dazu beiträgt, dass sich der Nationalprovinzialismus in den USA verändert.

3. Frage: Soll der Begriff Revolution in der Bewegung benutzt werden, und wie könnte die Macht der 1% gebrochen werden?

Antwort zur ersten Frage: ein klares JA. Und eine große Kraft sieht Angela Davis in den sozialen und medialen Netzwerken. Die Berichterstattung der Mainstream-Medien gegenüber der occupy-Bewegung sei z.T. in den USA wohlwollend gewesen und der Bürgermeister von Oakland musste – aufgrund von Darstellungen der Mainstream-Medien – zugeben, dass die Polizeigewalt bei der der Vietnamveteran Scott Olsen ins Koma geschlagen wurde, nicht hätte stattfinden dürfen. Darüber hinaus sei die Zeit gekommen, die Macht der Mainstream-Medien durch die Berichterstattung einer demokratischen Graswurzelberichterstattung von unten zu brechen!

4. Wie sieht das Verhältnis der Studenten und der Arbeiterklasse in den USA zur occupy- Bewegung aus. Gibt es z.B. Besetzungen der Unis o.ä.?

A.D. : Die Studenten haben eine Uni in Berkley besetzt. Auch Obdachlose sind Teil der Bewegung. Viele Studenten seien aktiv, da sie sich für ihr Studium hoch verschulden müssen. Die jährlichen Studiengebühren lägen durchschnittlich bei  40.000 – 45. 000 US$, und so seien die Absolventen der Unis  mit einer Bankanleihe von ca. 100 000 US$ verschuldet bevor sie anfingen zu arbeiten.

Auch die Gewerkschaften haben sich sehr in die Bewegung eingebracht. Dank radikaler Gewerkschaften sei es schließlich zu dem großen Streik im Hafen von Oakland gekommen, der von den Führern einer Gewerkschaft vorgeschlagen wurde. Die Bewegung in den USA sei generations- und schichtübergreifend und schließe Menschen jeglicher Herkunft ein.

5. Frage. Wie steht die US Bevölkerung zu einem potenziell bevorstehenden Angriff auf den Iran, dessen Bevölkerung nicht an einem Krieg interessiert ist?

A.D. ist davon überzeugt, dass die Mehrheit der US amerikanischen Bevölkerung gegen einen solchen Angriffskrieg aufstehen würde. Obamas Popularität, meint sie, sei unter anderem seiner damaligen Aussprache gegen den Irakkrieg geschuldet, wenngleich dadurch unterging,  dass der eigentliche Krieg in Afghanistan stattfindet. Sie sieht die heutigen occupyer in den USA als diejenigen, die mehrheitlich Obama – einen black man – zum Präsidenten gewählt haben, und damit das bis dahin scheinbar Unmögliche möglich machten. Jedoch würde man langsam einsehen, dass den parlamentarischen Möglichkeiten, eine wirkliche Veränderung herbeizuführen, Grenzen gesetzt sind, und daher eine grundlegende Veränderung nur durch große soziale Bewegungen erreicht werden kann.

6. Wo sollte sich die occupy- Bewegung weiter hinentwickeln, welche Strategien stehen der Bewegung insbesondere der working-poor zur Verfügung? Und kann man Privates und Politisches voneinander trennen/ Hat sie Empfehlungen zur persönlichen Entwicklung?

Nein, Privates und Politisches kann man nach A.D.s Meinung nicht voneinander trennen. Es war damals die feministische Bewegung, die das klargemacht hat. In der aktuellen Bewegung seien viele feministische Einflüsse zu erkennen, was den meisten gar nicht bewusst sei. Man muß heute über die Verbindungen zwischen z.B. einer persönlichen Vergewaltigung einer Frau und der Vergewaltigung der Gesellschaft institutioneller Art aufklären. In dem Zusammenhang verweist sie darauf, auch in einer Bewegung zu sein, die gegen die Todesstrafe und für die Abschaffung aller  Gefängnisse kämpft. Es geht darum, ein anderes Gerechtigkeitsbewusstsein zu entwickeln, das nicht auf Strafe und Gewalt basiert, sondern solche Tendenzen überwindet. Schließlich arbeite die staatliche/institutionelle Gewalt in jedem einzelnen von uns und unserer Privatsphäre. Die occupy-Bewegung sieht sich mit vorher nie gestellten Fragen und bisher nie da gewesenen Problemen konfrontiert, die auf neuen Ebenen zu diskutieren seien. Daher, meint auch sie, sind schnelle Antworten und Lösungskataloge nicht erforderlich! Ihr Wunsch ist es, dass die Zielgruppe der Bewegung weiterhin organisch durch alle Gesellschaftsebenen wächst, lebendig und in Bewegung bleib, ohne voreilig Pläne und Listen von Forderungen zu stellen.

Angela Davis erzählt uns zum Abschied mit Begeisterung von AktivistInnen/ FreundInnen. Als diese im Fernsehen die Bilder der Besetzung des Oaklander Hafens sahen, riefen sie bei ihr an und sagten, über die Erfüllung eines lange geträumten Traumes davon: Angela, it´s happening!

Dann muss sie das Camp leider verlassen, da ihr Taxi draußen wartet. Die Stimmumg im Camp war sehr gut, einige (meist Ältere) waren gespannt und aufgeregt über ihren Besuch, andere kannten sie gar nicht, hörten aber gespannt zu, als sie zu erzählen begann.

(aufgezeichnet von Katja – Dank hierfür)

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+++ ticker +++ 17 Uhr +++ Asamblea

Besuch von Angela Davis angekündigt. Viel Presse im Camp.

+++ ticker +++ Vorstellung der AGs

AG prekäre Arbeitsbedingungen
Es wird um persönliche Erfahrungsberichte gebeten, was prekäre Arbeitsbedingungen angeht. Gemeinsamkeiten/Unterschiede Griechenland, Spanien, Deutschland sollen herausgearbeitet werden. Ziel: alternative Formen des Widerstands herausarbeiten.

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AG Theater
Collage von Brecht, dem Stück „Die Mutter“, Texte von Satre und IndianerInnen sollen an einem Theater, das von uns okkupiert wird, vorgetragen werden. SchauspielerInnen gesucht.

Asamblea #occupyberlin in der Jurte im Bundespressecamp
Foto (c) Sulamith Sallmann

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AG Presse
AG hat neue Mitglieder, sodass Rotation funktioniert. Treffen Sonntag 15.30 uhr im Camp.

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AG Zeitung
Aufruf zur Selbstdarstellung der einzelnen AGs für die Zeitung.

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AG Küche
Braucht ab Montag große Töpfe (am besten 500 Liter), da die anderen Töpfe ins Wendland gehen.

 +++ ticker +++

Ankündigungen
#occupyNeukölln trifft sich Sonntag 14 Uhr Herrmannplatz.

+++ ticker +++

#occupyWedding sucht Raum.

+++ ticker +++

#occupyFriedrichshain trifft sich Sonntag 14 Uhr Boxhagener Platz.

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Morgen Demo Streik der Charité 10.30 Uhr U-Bahnhof Friedrichstraße.

  +++ ticker +++

Studierende halten weiterhin den Kinosaal der Humboldtuni besetzt. Unbegrenzte Duldung. Brauchen Unterstützung!!! Wir können den Raum nutzen z.B. für Treffen der AGs, Filmvorführungen etc.

+++ ticker +++ 17.20 Uhr

Besuch von Angela Davis im Camp. Sie richtet uns viele Grüße aus New York, Oakland, Philadelphia aus. Sie dankt uns für unsere Hingabe, Durchhaltevermögen, Vernetzung und ist beeindruckt von den AGs. Sie erzählt von ihren Erfahrungen als Bürgerrechtlerin und betont die Wichtigkeit von Solidaritätsbewegungen, wie die, die ihr Anfang der 70er Jahre in der Todeszelle zur Befreiung geholfen hat. ( Millionen Rosen für Angela Davis)

Anschließend beantwortet sie Fragen aus dem Kreis der Asamblea z.B. welche Strategien sich die Bewegung zu nutze machen sollte, ob die Bewegung nur die Macht der Finanzmärkte kritisiert oder für echte Demokratie steht, Fragen zum Verhältnis der Arbeiterklasse und StudentInnen innerhalb der Bewegung.

Angela Davis zu Besuch bei der Asamblea im Bundespressecamp
Foto (c) Sulamith Sallmann

+++ ticker +++ 19 Uhr

Angela Davis verlässt das Camp. Wird mit dem Asamblea Song zum Taxi begleitet.

Angela Davis verlässt das das Camp am Bundespressecamp
Foto (c) Alexandra

 +++ ticker +++

Einige brechen noch zur Humboldtuni auf.

 

Ausführlicher Bericht über das Gespräch folgt.

(aufgezeichnet von Katja)

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