Sehr geehrter Herr Innensenator Körting,

wir antworten Ihnen in Absprache mit der Presse-AG auf Ihr Email vom 11. November.

Es freut uns, dass Sie uns am vergangenen Donnerstag in der Klosterstraße besuchen wollten.

Anscheinend hatten Sie beim Blick in den Pressespiegel übersehen, dass wir bereits am Mittwoch ans Spreeufer umgezogen waren und daher am Donnerstag bereits dabei waren, uns in unserem neuen Zuhause am Bundespressestrand einzuleben. :)

Wir hoffen, dass Sie trotz der selbstverständlich rein räumlich gewachsenen Distanz unsere Einladung zu einem Gespräch auch in unserem neuen Camp wahrnehmen können. Ihre in Ihrem Email angedeuteten Ausführungen interessieren uns.

Da uns am Spreeufer weitaus mehr Platz zur Verfügung steht als in unserem Kirchenasyl, konnten wir drei große Jurten aufstellen, die im Normalfall angenehm beheizt sind.

Im Regelfall haben wir auch stets einen heißen Tee oder einen Kaffee auf dem Stövchen.

Wir freuen uns also weiterhin jederzeit auf Ihren Besuch. Ehrlich gesagt eilt es auch ein wenig, weil wir, wie Sie bestimmt wissen, im Bundespresssecamp nicht unbefristet bleiben können, und wir Ihre Anregungen bei der Suche nach einem geeigneten neuen Landeplatz durchaus schätzen.

Eine kurze Anmeldung unter der Telefonnummer 0162/9464940 erleichtert uns
die Planung.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Ponader
Daniel Mützel

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Sehr geehrter Herr Mützel,

mit Ihrem Schreiben vom 7. November 2011 hatten Sie sich darüber
beschwert, dass im Rahmen öffentlicher Versammlungen unter freiem
Himmel das Aufbauen von Zelten und ähnlichem nicht gestattet
wird. Ich habe am 10. November 2011 versucht, Ihrer Einladung zu
folgen und Sie in den Zelten auf dem Gelände der Parochialkirche
zu besuchen, aber alle Zelte waren leer. Deshalb nutze ich die
Technik und die E-Mail, um Ihnen zu antworten.

Für die versammlungsrechtliche Frage ist es völlig unerheblich,
ob eine Versammlung Zuspruch, breiten Zuspruch oder auch kaum
Zuspruch aus der Bevölkerung  erhält. Das Versammlungsrecht ist
derart grundlegend für unsere Demokratie, dass alle, unabhängig
von ihrer politischen Zielrichtung, sich auf dieses Recht berufen
können. Deshalb sind Versammlungen unter dem Schutz des
Grundgesetzes auch nicht genehmigungspflichtig. Nach geltendem
Recht sind Versammlungen unter freiem Himmel lediglich anzumelden
und die Anmeldung wird dann von der Versammlungsbehörde
bestätigt, bzw. ggf. auch mit Auflagen versehen. Bei wenigen
Versammlungen, die gegen Strafgesetze verstoßen, kann auch ein
Verbot ausgesprochen werden.

Ihre Versammlungen, “Occupy-Bewegung” oder “Echte Demokratie
Jetzt!”-Bewegung fallen unter die Versammlungsfreiheit des
Grundgesetzes und der Verfassung von Berlin. Diese Freiheit gilt
aber entsprechend den verfassungsrechtlichen Gewährleistungen nur
für die Versammlungen unter freiem Himmel, nicht für damit
einhergehende sonstige Nutzungen. Insbesondere der Aufbau von
Zelten, transportablen Häusern oder Containern zur Unterbringung
von Versammlungsteilnehmern fällt nicht unter die grundrechtlich
geschützte Freiheit der Versammlungen unter freiem Himmel. Schon
die Begrifflichkeit der grundrechtlich geschützten
Versammlungsfreiheit von Versammlungen unter freiem Himmel macht
deutlich, dass öffentliches Straßenland eben nur für
Versammlungen genutzt werden darf und nicht, ironisch gesprochen,
als “Notquartier für Versammlungsteilnehmer”. Das
Verwaltungsgericht Berlin hat in einer Entscheidung vom 25.
Oktober 2011 diese Auffassung bestätigt (Aktenzeichen 1 L
282.11). Es hat ausgeführt, dass ein versammlungsrechtlicher
Bezug zwischen dem Aufstellen von Zelten und dem
Versammlungsthema nicht bestehe. Im Vordergrund bei der
Aufstellung von Zelten stehe vielmehr der Schutz der Teilnehmer
vor witterungsbedingten Erschwernissen und die Schaffung von
Übernachtungsmöglichkeiten, was bei Versammlungen unter freiem
Himmel regelmäßig nicht vom Versammlungszweck abgedeckt sei.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ehrhart Körting

Senator
Senatsverwaltung für Inneres und Sport
Klosterstraße 47
10179 Berlin
Tel.: (030) 90223-2710
Fax: (030) 90223-2715
e-mail: andrea.sommer@seninnsport.berlin.de

 

Das Presseteam hat auch schon geantwortet: Link hier >>

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UPDATE: Herr Körting hat sich schriftlich zu diesem Brief geäußert. Text hier >>

Die Asamblea vom 05.11.2011 hat beschlossen, den nun folgenden Brief an Herrn Klaus Wowereit & Herrn Ehrhart Körting zu senden. Wer möchte, hat hier die Gelegenheit den Brief zu unterschreiben.

Sehr geehrter Bürgermeister von Berlin, Herr Wowereit,

sehr geehrter Senator für Inneres und Sport von Berlin, Herr Körting,

Ihrer Aufmerksamkeit ist es sicher nicht entgangen, dass die globale Bewegung für echte Demokratie und gegen die undemokratische Herrschaft des globalen Kapitalismus’ seit einiger Zeit auch in Berlin angekommen ist.

Die mittlerweile sogenannte „Occupy-Bewegung“ oder „Echte Demokratie Jetzt!“-Bewegung erfährt nicht nur breiten Zuspruch aus sämtlichen Teilen der Bevölkerung, sondern auch praktische Solidarität von vielen Mitmenschen.

An vielen Orten der Welt gehen Menschen auf die Straße, weil sie die herrschenden Zustände nicht mehr ertragen können und wollen. Lokal unterschiedlich, aber global vereint, einigt uns der Wille, uns auf zentralen Plätzen in den Städten und Dörfern dieser Welt zu versammeln, um unseren Protest kundzutun und uns über Alternativen zu den bestehenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Missständen auszutauschen.

In der von Ihnen mitregierten eigentlich weltoffenen Stadt Berlin wurde es uns bisher durch die Berliner Polizei, die Bundespolizei sowie die politisch Verantwortlichen verwehrt, unser grundgesetzlich verankertes Recht auf Versammlungsfreiheit wahrzunehmen und uns dauerhaft auf öffentlichen Plätzen zu versammeln.

Es wurde und wird uns von Beginn an untersagt, unsere Zelte auf öffentlichem Grund aufzuschlagen, welche einzig und allein den Zweck verfolgen, neue öffentliche Räume zu schaffen, in denen die Menschen dieses Landes sinnvoll und gemeinsam protestieren, sich auszutauschen und nach Alternativen für unser aller zukünftiges Leben zu suchen, um Hoffnung für die Zukunft schöpfen zu können. Unser Wunsch ist nichts weiter als der konkrete Ausdruck der gemeinsamen Forderung nach Versammlungsfreiheit und Meinungsaustausch, und zwar auf öffentlichen, öffentlichkeitswirksamen und zentralen Plätzen der Republik – nicht in visuell abgeschotteten Nischen oder Räumen dieser Stadt.

In dieser Stadt, die seitens Ihrer Regierung als „weltoffen“ tituliert worden ist und in der friedlicher Protest von Ihnen „willkommen“ geheißen wurde, soll es nicht möglich sein, sich dauerhaft an einem symbolträchtigen Ort im Zentrum unserer gemeinsamen Hauptstadt zu versammeln?

Ausgerechnet in einem solch historischen Moment, in den uns eine globale Finanz- und Schuldenkrise geführt hat, deren weltweite destruktive Auswirkungen, geschweige denn deren Ende wir noch nicht mal erahnen können, werden bedeutende politische Entscheidungen gefällt, weitgehend unter Ausschluss der demokratischen Öffentlichkeit.

Wir möchten dem entschlossen entgegen treten, indem wir genau dieses so notwendige öffentliche und offene Forum schaffen wollen, um unter Beteiligung der Menschen, die sich in diesem Land aufhalten, einen gesellschaftlichen Diskurs über unsere gemeinsame Zukunft führen zu können – weitestgehend fernab des alltäglichen Konkurrenz- und Handlungsdrucks und gängiger Partikularinteressen. Wir wollen uns die Zeit nehmen, uns mit den Menschen in der Welt auszutauschen, die sich ebenfalls auf den Plätzen ihrer Städte versammeln, um gemeinsam nach Alternativen zu suchen und gegen das bestehende politische System zu protestieren.

Diese Stadt hat mehrere Kriege erlebt, mehrere wurden von hier aus angezettelt, und weitere Kriege drohen aktuell die Welt zu erschüttern und Menschen ihr Leben zu nehmen. Gerade deshalb sollte für Berlin ein Ort für eine friedliche Debatte gefunden werden.

Herr Körting, Herr Wowereit – als momentan bzw. auch zukünftig diese Stadt mitregierende Sozialdemokraten – rufen wir Sie auf, sich mit uns auf ein Gespräch einzulassen, in dem wir nochmals, auf diplomatischem Wege, versuchen, eine Lösung für die Errichtung eines dauerhaften Zeltlagers (Camp) auf einem öffentlichkeitswirksamen und zentral gelegenen Platz zu finden.

Die wenigsten von uns haben sich ihr Schicksal ausgesucht. Mag die gesamte Welt mittlerweile in einer Situation sein, in der die Stadt Berlin spätestens seit dem Berliner Bankenskandal schon ist: Diese Situation ist keinem reinem Sachzwang geschuldet, sondern sie ist ein politisches, soziales und wirtschaftlich herbeigeführtes Problem!

Die Armut in dieser Stadt und in der Welt ist alles andere als sexy! Die herrschenden Zustände empören Milliarden Menschen auf dieser Welt, nur wenige von ihnen dürfen und können ihre Stimme erheben.

Wenn Berlin weltoffen ist, weltoffen sein soll und noch weltoffener werden soll, dann eröffnen Sie uns den Raum für eine weltoffene Debatte um die Zukunft von uns allen in dieser Stadt und mit anderen Menschen in der Welt!

Tragen Sie Ihren Teil dazu bei, nochmals eine Mauer in dieser Stadt fallen zu lassen! Geben Sie uns die Möglichkeit, auf friedlichem Wege einen Ort des lokalen und globalen Austausches und des Protestes zu schaffen – die gesellschaftlichen Zustände erfordern dies mehr denn je!

Einige bekannte Perönlichkeiten aus Berlin werden uns bei diesem Gespräch begleiten. Professor Grottian hat bereits zugesagt, Daniela Dahn, Nina Hagen, Konstantin Wecker, Klaus Staeck, Dieter Scholz (ex-DGB Landesvorsitzender), Claus Peymann (Intendant Berliner Ensemble), Thomas Ostermeier (Schaubühne), Frank Castorf (Volksbühne), Daniel Brühl (Schauspieler), und Hans Weingartner (Regisseur von „Die Fetten Jahre sind vorbei“) sind eingeladen.

Herr Körting, einige von uns zelten direkt in der Nähe Ihres Amtssitzes. Sie können jederzeit vorbeikommen. Oder wir kommen zu Ihnen. Wir warten auf einen Gesprächstermin mit Ihnen. Unsere Vorschläge sind Montag, der 7.11., Dienstag, der 8.11. oder Mittwoch, der 9.11. jeweils im Laufe des Tages oder am frühen Abend.

Herr Wowereit, wir erwarten Ihre rasche Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Die Menschen in der Asamblea vom 5.11.2011

Dieser Brief wurde in der Asamblea vor dem Reichstagsgebäude am 5.11.2011 im Konsens beschlossen. Er kann hier mitgezeichnet werden. Ein Mitschnitt der Debatte ist unter http://www.zshare.net/audio/95682092c0b0efeb/zu finden.

Unbestätigt, aber wahrscheinlich: Googlemail sperrt diese Petitions-Bestätigungs-Mail. Bei einigen Anbietern landet es leider auch im Spam Ordner. Wir arbeiten an einer Lösung, eure Unterschrift ist aber dennoch bei uns vermerkt, es geht also auch ohne Bestätigung keine Unterschrift verloren. Es sind bis dato (07.11.2011 / 21:50) 680 Unterschriften eingegangen!!!

Offener Brief vom 05.11.2011

Diese Petition ist nun geschlossen.

Enddatum: Nov 16, 2011
Unterschriften gesammelt: 609

Neueste Unterzeichner

609Susann VettersNov 15, 2011
608Benjamin BrammerNov 14, 2011
607Santhuru RavichandranNov 14, 2011
606Billy HolzbergNov 14, 2011
605Markus KnollNov 14, 2011
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600Claus-Dieter StilleNov 13, 2011
599Lena RöttgersNov 13, 2011
598Andi RNov 13, 2011
597Edgar AutenriebNov 12, 2011
596Rebekka GroßeNov 12, 2011
595Frank BehrensNov 12, 2011
594Markus G.Nov 12, 2011
593Gürkan BassanNov 12, 2011
592Melanie LieberwirthNov 11, 2011
591Philip GieleßenNov 11, 2011
590Tobias SchradeNov 11, 2011
589Alexander SeiffertNov 11, 2011
588Miriam SteffanNov 11, 2011
587Britt HeldtNov 11, 2011
586Susanne RotheNov 10, 2011
585Robert AßmannNov 10, 2011
584Peter WeihNov 10, 2011
583Galina BaidaNov 10, 2011
582Cornelia van der HorstNov 10, 2011
581Anita K.Nov 10, 2011
580Felix KulkaNov 10, 2011
579Maria Perez FernandezNov 10, 2011
578Olaf KiesewalterNov 10, 2011
577Angela GerardiNov 10, 2011
576Elena RichterNov 10, 2011
575Isabella TrybulaNov 10, 2011
574Sascha FreibergNov 10, 2011
573Christian TrautNov 09, 2011
572Jochen MüllerNov 09, 2011
571Ron MatzNov 09, 2011
570Tina WelzNov 09, 2011
569Petra TinneyNov 09, 2011
568Nadine PerstrupNov 09, 2011
567Doris Lange-SturmNov 09, 2011
566René VogelNov 09, 2011
565Ute SchurNov 09, 2011
564Mathias BarteltNov 09, 2011
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